Wippenhohn schließt zum Jahresende

Von unserem Redaktionsmitglied Judith Aundrup

Greffen (gl). Das Lager ist mittlerweile leergeräumt. Und auch in den Büroräumen stehen nur noch ein paar Aktenordner und Ablagekisten. Der Greffener Schreib- und Papierwarengroßhandel Gebrüder Wippenhohn schließt zum Jahresende. „Nach fast 90 Jahren ist Schluss“, sagt Ferdinand Wippenhohn (67), der die Geschäfte seit 1985 in dritter Generation gemeinsam mit seinem Cousin Wilhelm Wippenhohn (63) führt.
 
Die Firma, ein großer Teil des Warenbestands, der Fuhrpark und die fünf Außendienstmitarbeiter werden zum 1. Januar 2016 vom Osnabrücker Unternehmen Erwig und Herkt übernommen. In der vergangenen Woche sind die letzten 121 Paletten mit Büro- und Schreibwarenbedarf in Greffen gepackt und nach Osnabrück transportiert worden.
„Auch unsere anderen 20 Mitarbeiter haben einen neuen Job gefunden. Wir haben sie frühzeitig über unsere Pläne informiert, so dass sie genug Zeit hatten, sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen“, macht Wilhelm Wippenhohn im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich. „Wir sind ein Familienbetrieb, in dem die Mitarbeiter keine Nummern sind. Uns liegt es am Herzen, dass alle in anderen Betrieben untergekommen sind. Einige waren 30 Jahre bei uns, sie gehören fast zum Inventar“, ergänzt der Geschäftsführer. Vor wenigen Tagen kam das ganze Team zur Weihnachtsfeier im Gasthof Wilhalm zusammen – es war die letzte.
Ferdinand Wippenhohn geht näher auf die Gründe der Geschäftsschließung ein: „Zunächst einmal haben wir keinen Nachfolger aus der Familie gefunden. Hinzu kommt, dass die Lage der Großhändler sehr vom Einzelhandel abhängt. Und der schwächelt im Schreibwarenbereich. Die Konkurrenz des Internets und der Discounter ist sehr groß. Außerdem haben wir unsere Altersgrenze erreicht.“
Was passiert mit dem Firmensitz an der Gutenbergstraße in Greffen? „Wir wollen die 2100 Quadratmeter großen Geschäftsräume samt Lager verkaufen oder vermieten“, so Wilhelm Wippenhohn. Er könnte sich vorstellen, dass die Räumlichkeiten ideal für den sozialen Bereich zu nutzen seien – Stichwort Betreutes Wohnen. „Aber auch für einen Internethandel würde sich das Gebäude anbieten“, meint Ferdinand Wippenhohn, der sich dort auch Wohnungen vorstellen könnte. „Schließlich ist das hier ein Wohngebiet. Dann müsste aber ein Investor das Haus umbauen“, so Wippenhohn.
Wilhelm und Ferdinand Wippenhohn haben sich in den vergangenen Wochen aber noch nicht konkret um die Vermarktung des Gebäudes gekümmert, sondern zuerst um den Betrieb. „Der Verkauf des Gebäudes drängt bei uns nicht so, schließlich haben wir ja keine Insolvenz angemeldet, sondern haben unser Unternehmen nur aus Mangel an Nachfolgern verkauft“, macht Wilhelm Wippenhohn deutlich.
 









Hintergrund

Das heutige Schreib- und Papierwarenunternehmen Gebrüder Wippenhohn ist im Jahr 1926 von Martin Wippenhohn als Rheinisch-Westfälische Füllhalterfabrik in Bonn gegründet worden. 1928 wechselte der Gründer mit seiner Firma an Schützenstraße nach Greffen. Seit 1953 ist das Unternehmen am heutigen Standort an der Gutenbergstraße 4 ansässig. Seit den 60er-Jahren ist es ein Großhandel für Schreib- und Papierwaren. Die Geschäftsräume dort wurden dreimal erweitert: 1978, 1988 und 1998. „Wir blicken also auf eine lange Tradition des Handelns mit Schreibgeräten und Papier-Produkten zurück“, sagt Geschäftsführer Ferdinand Wippenhohn. Am Sitz in Greffen waren zuletzt 5 Außendienstmitarbeiter und 20 Innendienstler beschäftigt. Das Sortiment umfasste etwa 20 000 Artikel aus den Bereichen Schul- und Bürobedarf, Geschenk- und Saisonartikel, Geschenkpapiere, Glückwunschkarten und vieles mehr. Kunden waren Einzelhändler in einem Umkreis von 100 Kilometern. Auch gab es einen Online-Shop. (jau)

Erwig und Herkt 1931 gegründet

Greffen/Osnabrück (jau). Das Unternehmen Erwig und Herkt wurde im Jahr 1931 vom Großvater des heutigen Inhabers Volker Herkt als Kurz- und Galanteriewarengroßhandlung gegründet. Mehr als 500 Kunden werden heute von Osnabrück aus mit rund 30 000 Papier-, Schreibwaren und Bastelartikeln, mit Kurz- und Kleinspielwaren sowie mit Geschenkartikeln beliefert. Die Geschäfts- und Lagerfläche des Unternehmens Erwig und Herkt beträgt mehr als 4000 Quadratmeter.

Quelle: Die Glocke | Ausgabe: Gütersloh | Harsewinkel | 23.12.2015 | Seite 21



Veröffentlicht am:
05:11:00 23.12.2015 von Mario Fritsche