An der Ems wird viel Staub aufgewirbelt

Von unserem Redaktionsmitglied
JUDITH FRERICK

Harsewinkel-Greffen (gl). Eine Menge Staub wird in diesen Tagen an der Ems in Greffen aufgewirbelt. Vor einer Woche sind die Bagger, Raupen und Schlepper der Steinhagener Firma Rühl und Brummel angerollt. Bauleiter Heinz Brenke von der Kreisverwaltung hat den Startschuss für die Renaturierung der Ems gegeben.

Noch fließt die Ems schnurgerade durch die Landschaft. Spätestens ab August wird man das gut einen Kilometer lange Teilstück zwischen der Brücke an der Beelener Straße und der Brambrücke auf der anderen Seite nicht mehr wiedererkennen. Der Fluss soll sich dann kurvig entlang der Felder schlängeln und auch einen eigenen Weg suchen dürfen. „Dafür wird seit einigen Tagen der Mutterboden abgeschoben. Etwa 30 Zentimeter kommen runter“, sagt Heinz Brenke am Mittwochnachmittag im Gespräch mit der „Glocke“. Der Boden wird zu einem Wall aufgehäuft, der das renaturierte Gebiet eingrenzen soll – zwischen 30 und 60 Meter vom bisherigen Emsufer entfernt. „In diesem Bereich kann sich der Fluss ausbreiten“, macht der Experte, der beim Kreis für den Wasserbau zuständig ist, deutlich, dass sich so einiges in dem Gebiet tun wird. Und es hat sich auch schon einiges getan: Vier bis zu 70 Jahre alte Bäume – zwei Linden und zwei Eichen – mussten gefällt werden. „Leider“, wie Brenke einräumt. „Eigentlich sollten die Bäume als Insel stehen bleiben. Aus Gründen des Hochwasserschutzes mussten sie jetzt aber doch noch weichen“, so der Kreis-Mitarbeiter, der aber ankündigt: „Dafür werden wir zahlreiche neue Eichen pflanzen – und das werden keine Minibäume sein.“
Zunächst laufen die Arbeiten nur bis zum Mai. „Das haben wir dem Landwirt Meyer zu Greffen während der Erdbeerzeit zugesagt. Es kann ja schließlich nicht sein, dass die ganzen Erdbeerpflanzen zugestaubt werden“, erläutert der Gewässer-Experte aus dem Wiedenbrücker Kreishaus. Spätestens Ende Juni können die Mitarbeiter der zuständigen Firma Rühl und Brummel wieder loslegen. Dann wird der Boden auch am gegenüberliegenden Ufer angeschüttet, damit sich die Ems ihren eigenen Weg suchen kann. „Dazu müssen wir mit dem Schlepper durch die Ems fahren“, kündigt Unternehmer Thomas Brummel an. Dafür sollte der Spiegel des Flusses allerdings niedrig sein. „Sonst kommen wir mit den Maschinen nicht durchs Wasser“, so Brummel.

Inseln und viel Grün

Ab Juli wird der alte Uferstreifen abgebaggert, so dass sich der Fluss ausbreiten kann. „Dann ist nichts mehr, wie es vorher war“, betont Thomas Brummel, dessen Unternehmen unter anderem auf den Gewässerbau und die Renaturierung spezialisiert ist. Kleine Inseln, ein natürlicher Flusslauf, viel Grün – so sehen es die Pläne vor.
Hintergrund für die Renaturierung: Der äußere Zustand und die Struktur der Ems sind auf Harsewinkeler Gebiet mäßig und müssen verbessert werden. Das gibt die Wasserrahmenrichtlinie für Nordrhein-Westfalen vor. In Greffen haben die gut 150 000 Euro teuren Arbeiten begonnen. Auf einem Emsteilstück in Harsewinkel stehen sie noch an. „Dort sind wir in Sachen Grunderwerb  noch nicht so weit“, so Brenke.

  


Quelle: Die Glocke - Ausgabe vom 15.04.2010


Veröffentlicht am:
06:45:37 15.04.2010 von Mario Fritsche